Lehrermedientag

Die Macht der Worte

Der 5. bayerische Lehrermedientag findet virtuell statt.

von Maja Engelhardt

 

MÜNCHEN/ COBURG. Das sieht ja erst mal ziemlich echt aus: Eine Website namens freeworldnews.up, die eine neue Nachricht verkündet: „Ab dem 20. Oktober werden der Covid-Pass und die Impfung auf dem gesamten Territorium der EU abgeschafft“ – französischer Arzt. Klickt man weiter, landet man tatsächlich auf der Seite der französischen EU-Kommission. Sprache: Französisch. Sieht man sich die geschickt verpackte News dann auf Deutsch an, lautet der Text genau gegenteilig: Die Impfung sei nach wie vor der beste Weg, sich vor Covid-19 zu schützen. Florian Wende und Sonja Ettengruber von der Mediengruppe Landshuter Zeitung/ Straubinger Tagblatt zeigen an Hand von ausgewählten Texten, wie Sprache manipulieren kann. Interessant, aufschlussreich und mit aktuellem Bezug gestalten sie ihren halbstündigen Vortrag im Rahmen des diesjährigen Lehrermedientags der bayerischen Zeitungen, bei dem über 900 Pädagogen den Livestream aus der Münchner Media School verfolgten. Die Definition von „Fake News“ lautet gemäß Duden: „In manipulatorischer Absicht verbreitete Falschmeldungen.“ Warum ist es so leicht geworden, diese an Menschen weiter zu geben, die ihnen Glauben schenken? „Jeder ist heutzutage ein Sender und kann rund um die Uhr posten, informieren und erreicht dabei viele Personen“, so Florian Wende, es gebe keine Filter, die das Ganze auf Wahrheit hin überprüften. Fake News habe es schon immer gegeben, nicht erst, seit Donald Trump das Wort laut in die Welt hinausposaunte, doch heutzutage führe die globale Vernetzung zu ganz anderen Dimensionen. Hinter den „falschen Nachrichten“ verstecke sich der Versuch politischer Einflussnahme, Propaganda oder schlichtweg Geld.

Der Redakteur gibt den Lehrerinnen und Lehrern sieben Fragen an die Hand, die sie an ihre Schützlinge weitergeben können: „Auf welchem Portal lese ich?“, „Ist der Name des Autors sichtbar?“, „Ist das Impressum ersichtlich?“, „Wie gestaltet sich die Sprache?“, „Gibt es die Nachricht auch in einem anderen seriösen Portal?“, „Welche Quellen finden sich im Artikel?“ und „sind die Bilder schon einmal aufgetaucht?“. Beispielsweise durch „images.google.com“ lässt sich eine Bildersuche durchführen und so nachverfolgen, wann und ob Fotos schon einmal veröffentlicht wurden und mit welchem Bezug. Als Portale, die Fake News aufdecken, nannte Wende unter anderem mimikama.at, correctiv.org und uebermedien.de.

Achtsame Wortwahl

Ebenfalls um Sprache und durchaus auch in selbstkritischer Manier ging es in dem Workshop „Klimawandel, Flüchtlingsflut, Corona-Diktatur“ – so lenken Worte unser Denken“ von Franziska Back und Oliver Herbst von der Fränkischen Landeszeitung. Sie beschrieben den Weg der Sprache in unser Gehirn durch die Bildung sogenannter „Frames“, Gedanken, die durch Worte aktiviert werden und unser Handeln beeinflussen sollen. Back mahnte, dass Worte oft unbedacht verwendet würden, „dies kann leicht gefährlich werden“, so die Redakteurin und rief die Zuhörer dazu auf, für eine korrekte Wortwahl zu sensibilisieren.

Eigenes Schulfach

Den virtuellen Einführungsvortrag hielt Medienwissenschaftler Prof. Dr. Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen. Unter dem Titel „Die neue Medienmacht. Fakten und Fakes im digitalen Zeitalter – was wir wissen und tun sollten“ setzte er sich mit der immer schneller werdenden Berichterstattung, durch die „alte“ Medien in Zugzwang gerieten, der neuen Ungewissheit, ständigen Anreizen und der schwindenden Infobarriere auseinander.

Drei Möglichkeiten zeigt der Wissenschaftler zu einem medienmündigen Bürger auf: Vehement plädiert er für ein eigenes Schulfach, das Medienbildung fördert, fordert einen direkteren Bezug von Journalisten zu ihrer Leserschaft, „Redakteure müssen sich transparenter zeigen, ihre Arbeit vorstellen und auch ihr Verhältnis zu Heranwachsenden überdenken“ und die Einrichtung eines Plattformrats, der die Inhalte großer Online-Plattformen dokumentiert und prüft.

Für alle Sinne

„Die Geschichte wird zur Geschichte“, so fassen es Elisabeth Gamperl und Christian Helten von der Süddeutschen Zeitung kurz zusammen. In ihrem Referat geht es um Digitales Storytelling, bei dem der Text von Grafiken, Ton, Bildern und Videos umrahmt wird und auch mit Interaktivität dem Leser eine neue Form der Mediennutzung geboten wird.

Fotos – besser nicht

Eine eindringliche Bitte an Eltern und Pädagogen formulierte Digitaltrainer Hendrik Odendahl: „Veröffentlichen Sie keine Fotos ihrer Kinder im Netz! Ein Screenshot ist rasch angefertigt und das Cyber-Mobbing in unterschiedlichen Formen kann beginnen.“ Lehrer dürften aus Datenschutzgründen nicht in Klassenchat-Gruppen gucken, von daher obliege es den Erziehungsberechtigten Gefahren zu thematisieren.

Fazit

Französisch- und Englischlehrerin Stephanie Fieblinger und am Neustadter Arnold-Gymnasium tätig zieht ein größtenteils positives Resümee des Lehrermedientages: „Es war für mich als Menschen interessant, für Pädagogen hätte ich mir aber etwas mehr praktische Tipps zur Umsetzung im Unterricht gewünscht.“

Scroll to Top